• Schilddrüse: Erkrankungen und Knoten

    Schilddrüsenerkrankungen sind nicht immer symptomatisch und werden oftmals zufällig entdeckt. Die häufigsten Befunde sind eine Schilddrüsenvergrößerung (Kropf), Schilddrüsenknoten oder Autoimmunerkrankungen, wie z.B. die Basedow-Erkrankung oder die Hashimoto-Thyreoiditis.

    In der Mehrzahl der Fälle sind Schilddrüsenknoten harmlos, sodass eine regelmäßige Beobachtung ausreicht. Unter bestimmten Voraussetzungen ist aber eine Behandlung notwendig.

    Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Symptome im Vordergrund stehen, die die tägliche Lebensqualität einschränken, wie es bei der Überfunktion (Herzrasen, Nervosität, vermehrtes Schwitzen und Schlafstörungen) oder einer überdimensionalen Größe mit Halsbeschwerden (Kloßgefühl, Schluckbeschwerden, Räusperzwang, Intoleranz von Kleidung am Hals) der Fall sein kann.

    Bei Vorliegen von Schilddrüsenknoten erfolgt deren (regelmäßige) Kontrolle aber auch immer vor dem Hintergrund, dass möglicherweise bösartige Zellveränderungen (Schilddrüsenkrebs) vorliegen oder sich entwickeln können.

    Heutzutage gibt es eine Vielzahl diagnostischer Kriterien, die das Entartungsrisiko von Knoten in der Zusammenschau von Ultraschall, Szintigraphie und Laborwerten, rechtzeitig und verlässlich voraussagen können.

    Die von uns angebotene Sonographie mit systematischer Analyse „verdächtiger Knoten“ nach  TIRADS (Thyroid Imaging Reporting and Data System) ermöglicht, das Risiko für eine Krebserkrankung prozentual einzuschätzen.

    Durch eine ergänzende Feinnadelpunktion verdächtiger Schilddrüsenknoten mit nachfolgender Untersuchung des dabei gewonnenen Zellmaterials  kann zusätzliche Sicherheit gewonnen werden.

    Nur unter Berücksichtigung all dieser Kriterien ist es möglich, eine leitliniengerechte Behandlung anzuraten und durchzuführen.

  • Schilddrüsenkrebs

    Schilddrüsenkrebs ist eine seltene Erkrankung und gliedert sich, je nach Zelltyp, in verschiedene Tumorarten, wovon für jede ein spezifischer Behandlungsansatz besteht.

    Grundsätzlich ist die Operation, bei der die Schilddrüse vollständig entfernt wird, die Behandlung der Wahl.

    Abhängig vom Zelltyp ist bei den meisten Tumortypen eine ergänzende Lymphknotenentfernung von unterschiedlichem Ausmaß und nach Erholung von der Operation gegebenenfalls eine Radiojodtherapie notwendig.

    Welche Maßnahmen im Einzelnen notwendig sind, erläutern wir gerne in einem persönlichen Gespräch.

    Konsequent und fachkundig behandelt, ist in sehr vielen Fällen trotz Vorliegen einer Krebserkrankung  eine gute Langzeitprognose erreichbar.

  • Nebenschilddrüse: Hyperparathyreoidismus

    Nebenschilddrüsen sind kleine Organe, die in enger Nachbarschaft zur Schilddrüse (also „neben“ dieser) liegen. Normalerweise verfügt jeder Mensch über vier Nebenschilddrüsen.  Hauptaufgabe dieser kleinen Organe ist die Produktion des Hormons „Parathormon“ und über dieses die Regulation des Kalziumspiegels im Blut.

    Ursache des primären Hyperparathyreoidismus ist in den meisten Fällen (90%) ein Nebenschilddrüsenadenom, das über eine unnatürlich  gesteigerte Parathormon-Produktion den Kalziumstoffwechsel  negativ  beeinflusst und zu Folgeerkrankungen führen kann (Stein-, Bein- und Magenpein):

    • Vermehrter Knochenabbau > Knochenschmerzen, Osteoporose > erhöhtes Blut-Kalzium
    • Erhöhtes Blutkalzium > erhöhte Kalziumausscheidung über den Urin > Harnsteinbildung bzw. Verkalkung der Nieren > Einschränkung der Nierenfunktion
    • Erhöhtes Blutkalzium > Freisetzung des Hormons Gastrin > Schleimhautgeschwüre im Magen und Zwölffingerdarm

    Mögliche weitere Symptome sind vielfältig: Neben Knochen- und Oberbauchschmerzen sowie Harnsteinkoliken sind es  Muskelschwäche, Darmverstopfung, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Antriebsarmut, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Depressionen.

    Bei Nachweis einer erhöhten Konzentration des Parathormons ist eine bildgebende Diagnostik zur genauen Lokalisation des erkrankten Organs erforderlich. Es stehen verschiedene Untersuchungsverfahren zur Verfügung, wie z.B.: Ultraschall, Tc-99m-MIBI-Szintigraphie, Computer- und Kernspinntomographie. Idealerweise zeigen zwei unterschiedliche Lokalisationsverfahren das gleiche Ergebnis.

    Bei primären Hyperparathyreoidismus (pHPT) wird die  Entfernung der erkrankten Nebenschilddrüse(n) in der Regel minimal-invasiv, d.h. über einen 2 bis max. 3 cm langen Hautschnitt durchgeführt. Zur Anwendung kommen das sog. MIVAP- (minimal-invasive videoassistierte Parathyreoidektomie) oder OMIP-Verfahren (offene minimal-invasive Parathyreoidektomie). Während der Operation wird das zuvor lokalisierte Nebenschilddrüsenadenom gezielt aufgesucht und entfernt. Ebenso wie bei der Schilddrüsenfunktion erfolgt der Eingriff unter höchsten Sicherheitsstandards, z.B. unter Verwendung des Stimmbandnerven-Neuromonitorings.

    Noch während der Operation wird ihr Erfolg überprüft: Einerseits wird das entnommene Gewebe anhand einer feingeweblichen Schnellschnittuntersuchung durch einen Pathologen untersucht, der bestätigt, dass es sich um Nebenschilddrüsengewebe handelt. Andererseits werden noch unter der Operation zwei weitere Blutproben untersucht, die einen signifikanten Abfall des Parathormons zeigen.

  • Erstvorstellung und Beratung

    Zur Erstvorstellung bringen Sie bitte alle bisher erhobenen Untersuchungsbefunde mit. Dazu gehört auch Bildmaterial in Papierform oder auf CD. In einem persönlichen Gespräch mit einem Facharzt werden dann Ihre Symptome und eventuell vorliegende Grunderkrankungen aufgenommen. Sollten Sie Medikamente einnehmen, bringen Sie uns bitte eine Auflistung hiervon mit.

    Anschließend folgt eine Untersuchung des Halses einschließlich einer Sonographie von der Schilddrüse, den Nebenschilddrüsen und der benachbarten Halsweichteile. Hierbei werden gegebenenfalls vorliegende Schilddrüsenknoten einzeln und unter spezifischen Kriterien beurteilt, um eine qualitative Aussage über deren Beschaffenheit treffen zu können.

    Erst danach kann entschieden werden, ob überhaupt eine Behandlung erforderlich ist, oder welche Therapieverfahren in Betracht kommen.

    Von uns angebotenen Verfahren sind die Thermoablation und die Operation der Schilddrüse.

    Unabhängig von der eigenen Fachdisziplin wird Ihnen das geeignetste Behandlungserfahren empfohlen und darüber hinaus Alternativen diskutiert.

    Bei dem Beratungsgespräch haben Sie Gelegenheit, persönliche Fragen zu klären und werden zudem über die Chancen und Risiken der einzelnen Methoden aufgeklärt.

    Sofern gewünscht, kann an diesem Tag auch schon eine Terminvereinbarung für den Behandlungstermin erfolgen.

  • Krankenhausaufenthalt

    Nachdem im Vorfeld der Krankenhausaufnahme alle notwendigen Vorbereitungen (u.a. HNO-ärztliche Stimmbanduntersuchung und Narkose-Vorgespräch) vorgenommen wurden, wird der Eingriff bereits am Aufnahmetag durchgeführt.

    Nach dem Eingriff erfolgt dann eine mehrstündige Überwachung im Aufwachraum.

    Schon am Abend können Sie eine leichte Suppe und am nächsten Morgen ein normales Frühstück zu sich nehmen.

    Am ersten Tag nach dem Eingriff wird eine Blutuntersuchung und am zweiten Tag eine Wundkontrolle durchgeführt. Am Morgen des zweiten Tages werden Sie gegen 10:00 Uhr entlassen und erhalten einen vorläufigen Arztbrief mit Empfehlungen für Ihre weiterbehandelnden Ärzte.

    Ob dauerhaft die Einnahme von Schilddrüsenhormonen notwendig ist, hängt von dem genauen Volumen an gesundem Schilddrüsengewebe ab, das im Körper verbleibt. Sofern erforderlich, werden wir mit der Tablettengabe beginnen und eine Empfehlung aussprechen.

    Davon unabhängig ist aber eine Verlaufskontrolle und gegebenenfalls Anpassung der Medikation durch Ihren Hausarzt oder Nuklearmediziner erforderlich.

    Der Krankenhausaufenthalt beträgt in der Regel drei Tage.
    Im sehr seltenen Fall von Komplikationen kann sich dieser um wenige Tage verlängern.

    Nach der Entlassung  ist eine zweite ambulante HNO-ärztliche Stimmbanduntersuchung notwendig, um eine eventuell vorliegende Funktionsstörung des Stimmbandnervens nachzuweisen bzw. auszuschließen.

    Damit auch wir das Ergebnis dieser Untersuchung erfahren, bekommen Sie am Ende Ihres Aufenthaltes eine Dokumentenvorlage ausgehändigt, die Ihr HNO-Arzt an uns zurück faxt.

  • Thermoablation

    Schilddrüsenknoten auch ohne Operation behandeln:

    Thermoablation – die minimalinvasive Alternative

    Das Krankenhaus Friedberg ist eines der ersten Zentren in Deutschland, die dieses Verfahren anbieten. Die Thermoablation ist ein relativ neues und risikoarmes Verfahren, welches fast ausschließlich bei gutartigen Schilddrüsenknoten (z. B. autonome Adenome oder Zysten) zum Einsatz kommen soll und damit eine Alternative zu den konventionellen Behandlungsverfahren darstellt.
    Bei diesem ‘minimal-invasiven Verfahren‘ wird nach einer lokalen Betäubung der Haut eine dünne Nadelelektrode über einen (oder zwei) nur zwei Millimeter großen Hautschnitt in den Schilddrüsenknoten eingebracht und unter Ultraschallkontrolle ein hochfrequenter Wechselstrom verabreicht, der gezielt nur den erkrankten Schilddrüsenknoten stark erwärmt, ohne benachbarte gesunde Gewebe zu belasten.
    Das durch Hitze veränderte Gewebe verliert so seine Fehlfunktion und wird in der Folgezeit (Wochen bis Monate) von der körpereigenen Immunabwehr abgebaut.
    Auf diese Weise können beispielsweise die Überfunktion eines Knotens erfolgreich ausgeschaltet oder aber das vergrößerte Volumen von Schilddrüsenknoten signifikant (etwa 50% - 90%) reduziert werden. Bei größeren Knoten ist hierfür mitunter eine sequenzielle (Mehrfach-) Behandlung notwendig.
    Geeignet sind vor allem Patienten mit einzelnen bzw. wenigen, symptomatischen oder stetig wachsenden Schilddrüsenknoten oder Zysten oder autonomen Adenomen. Überdies kommen Patienten in Betracht, die eine Operation oder eine Radiojodtherapie ablehnen. Bei kalten Knoten ist eine ergänzende Feinnadelpunktion notwendig, um einen Krebsknoten im Voraus sicher ausschließen zu können.
    Ausnahmsweise können aber auch differenzierte Schilddrüsenkarzinome behandelt werden, wenn z.B. ein Lokalrezidiv oder ein nicht vertretbar hohes Operationsrisiko vorliegt (palliativer Ansatz).

    Mit freundlicher Genehmigung von Olympus

    Vorteile

    Die Vorteile der Thermoablation bestehen nicht nur in der Vermeidung von Risiken der herkömmlichen Therapiemethoden  (wie z.B. Vollnarkose, Verletzung des Stimmbandnerven bzw. der Nebenschilddrüsen mit der Folge eines Kalziummangels, Keloid-Narben oder aber der Einnahme einer radioaktiv strahlenden Substanz), sondern auch in dem hervorragenden ästhetischen Ergebnis mit kaum erkennbaren Narben sowie dem Erhalt des benachbarten gesunden Schilddrüsengewebes.
    Positiv ist auch, dass die Methode wiederholbar ist und die Risiken dadurch nicht wesentlich ansteigen.

    Risiken

    Risiken, wie z.B. Blutungen, Infektionen oder Nervenschäden sind ausgesprochen selten. Dennoch ist darauf hinzuweisen, dass es sich um ein neues, für die Behandlung der Schilddrüse noch nicht zugelassenes Verfahren handelt, für das bisher noch keine Langzeiterfahrungen vorliegen. Somit handelt sich bei der Therapie um einen sogenannten ‘individuellen Heilversuch‘, bei dem nicht bekannte Komplikationen auftreten können.

    Besondere Situationen

    Das Vorliegen folgender Situationen bedarf einer besonderen Berücksichtigung:

    • Vorhandensein eines Herzschrittmachers bzw. Defibrillators
    • Die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten müssen nach Rücksprache mit dem Arzt vor dem Eingriff abgesetzt werden
    • Schwangerschaft ist eine Kontraindikation für eine Thermoablation
  • Operation

    Die beiden Hauptoperateure für Schild- und Nebenschilddrüsenchirurgie am Krankenhaus Friedberg waren für viele Jahre an einem durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zertifizierten Referenzzentrum für Schild- und Nebenschilddrüsenchirurgie beschäftigt und sind durch die sehr große Zahl an dort durchgeführten Operationen jedes Schwierigkeitsgrades sehr routiniert und erfahren.

    Alle Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperation werden in Vollnarkose und unter höchsten Sicherheitsanforderungen durchgeführt. Dazu gehören folgende Aspekte:

    • Facharztstandard
    • Neuromonitoring vom Stimmbandnerven und ebenso vom oberen Stimmnerven (Zur Verfügung stehen das intermittierende wie auch das  kontinuierliche Neuromonitoring)
    • Penible Schonung der gesunden Nebenschilddrüsen und ggf. deren Replantation
    • Tragen von Lupenbrille und Kopflampe durch den Operateur
    • Möglichkeit zu einer intraoperativen Schnellschnittuntersuchung des entnommenen Gewebes (feingewebliche Untersuchung und Anpassung des operativen Vorgehens an den erhobenen Befund - noch während der Operation)
    • Möglichkeit zu einer intraoperativen Parathormon-Bestimmung

    Die erforderliche Schnittlänge wird dabei immer so klein wie möglich gehalten, ist aber letztlich vom Gesamtvolumen der zu entfernenden Gewebe abhängig. Ziel ist grundsätzlich immer der kleinstmögliche Zugang, sofern dabei die größtmögliche Sicherheit gewährleistet ist.

    Der Wundverschluss am Ende der Operation erfolgt mit einer versteckt in der Haut genähten resorbierbaren Naht, sodass später keine Fadenentfernung notwendig ist.